Adventskalender: 24 Roman-Häppchen bis Weihnachten

Die Adventszeit versüße ich euch dieses Jahr mit 24 kurzen Auszügen aus dem Roman „Von tadellosem Ruf“.

Jeden Tag füge ich ein neues Roman-Häppchen hinzu.

Die Roman-Häppchen vom 1. bis 7. Dezember findet ihr weiter unten in diesem Beitrag.
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Genießt das Schmökern zur romantischten Zeit des Jahres!

Kuschelige Adventstage und schöne Weihnachtsvorfreude wünscht euch

Anna M. Thane

1. Dezember

Zum 1. Adventswochenende entführt uns der Roman ins Jahr 1812. Die Familie Rothleigh trifft sich zur Testamentsverlesung auf Cavenham Hall. Da das Familienoberhaupt, der 4. Baron Cavenham, verstorben ist, geht es um die Frage, wer welche Güter und vor allem den Titel erben wird.

Lernt einige der Anwärter auf die Erbschaft kennen: Da ist etwa die fulminante Witwe Lady Linfield, der tapsige Schwiegersohn Charles Waverton und der Pendant Geoffrey Rothleigh. Auch ein gewisser Lord Buckley, ein Freund des Verstorbenen, ist unter den Anwesenden. Ein ziemlich ungehobelter Bursche – findet Lady Linfield.

Kapitel 1

Im Studierzimmer des verstorbenen 4. Baron Cavenham hatte sich am späten Vormittag des 30. Juli eine ungewöhnliche kleine Gesellschaft zur Testamentsverlesung versammelt.

Lady Linfield musterte die Anwesenden. Einige von ihnen sollten nicht hier sein, befand sie. Natürlich gab es nichts dagegen einzuwenden, dass ihre Schwester Horatia eingeladen worden war. Auch mit ihrem Cousin Geoffrey Rothleigh, einem schwerfälligen Squire Anfang 50, hatte sie gerechnet. Aber Mr. Charles Waverton gehörte nicht einmal zur ersten Verwandtschaft. Er war Lady Armsworth’ Schwiegersohn und konnte unmöglich einen Anspruch auf das Erbe haben.

Mr. Waverton, ein hochgewachsener, schlanker Gentleman von 32 Jahren, saß auf der äußersten Kante eines Stuhls. Er war sich peinlich bewusst, das Missfallen Ihrer Ladyschaft erregt zu haben. Da er aber die Ursache nicht kannte, vermutete er, mit seiner Kleidung stimme etwas nicht. Er begann, an seinem Halstuch zu nesteln und eingebildete Falten an seiner Jacke glatt­zustreichen. Dadurch verrutschte ein Schulterpolster und eine der gestärk­ten Spitzen seines Kragens knickte um.

Lady Linfield seufzte. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit dem vierten Gast zu. Mr. Nutford, der langjährige Anwalt der Familie, hatte ihn als Marcus Kingley, 4. Earl Buckley vorgestellt. Lord Buckley mochte etwa 30 Jahre alt sein, war stämmig gebaut und nur von mittlerer Größe. Er schien aber dennoch den Raum zu dominieren. Dichte Brauen zogen sich wie Balken über seine grauen Augen. Seine pechschwarzen Locken trug er kurz ge­schnitten. Da er zudem die Frechheit besaß, zur Testamentsvollstreckung in Wildlederhosen und Sporenstiefeln zu erscheinen, identifizierte Lady Linfield ihn als ein Mitglied der Korinther, jener Gruppe von Gentlemen, die sich ganz dem Sport widmete und denkbar wenig auf Etikette gab.

Lord Buckley lehnte lässig am Kamin und hatte sich bisher nicht die Mühe gemacht, einen der anderen Anwesenden in ein Gespräch zu ziehen. Lady Linfield verzog die Mundwinkel. Lord Buckley bemerkte es und schien belustigt.

 

 

2. Dezember

Die Familie Rothleigh versammelt sich aus traurigem Anlass auf dem Landsitz Cavenham Hall: Das Familienoberhaupt, der 4. Lord Cavenham, ist verstorben. Der Anwalt Mr. Nutford verliest das Testament und enthüllt, wer den Titel erben wird. Das schockiert die hypochondrische Lady Armsworth …

 

»›Als Erben meines Titels, meines Vermögens und Cavenham Hall‹«, verlas Mr. Nutford endlich, »›bestimme ich meinen Cousin Robert Rothleigh.‹«

Lady Linfield zuckte zusammen.

Lady Armsworth keuchte, griff mit schwacher Hand nach ihrem Retikül und suchte darin nach dem Fläschchen mit Vinaigrette. Sie fand es nicht. Kreidebleich schwankte sie zwischen Bewusstsein und Ohnmacht.

Ihre Schwester fasste sie am Arm und stützte sie. »Mr. Nutford, lassen Sie die Zofe Ihrer Ladyschaft kommen!«, befahl sie. »Sie soll das Riech­fläschchen mitbringen oder was immer sie benötigt, damit Ihre Ladyschaft wieder zu Kräften kommt.«

Mr. Nutford eilte zur Tür und gab die Anweisungen weiter. Unterdessen sprang Mr. Waverton eilfertig auf, um seiner Schwiegermutter ein Glas Sherry von einem Beistelltisch zu holen. Er verhedderte sich jedoch zwischen den Stühlen und konnte einen Sturz nur verhindern, indem er sich an eben jenem Beistelltisch festklammerte.

Das ohrenbetäubende Klirren einer Karaffe und mehrerer Kristallgläser, die auf dem Marmorboden zu Scherben zersprangen, brachte Lady Arms­worth umgehend wieder zu sich. Sie sah sich indigniert um und schluchzte dann in ihr Taschentuch.

Mr. Nutford trat hinzu, um ihr mit dem Testament Luft zuzufächeln.

Lady Linfield verscheuchte ihn.

Schließlich erschien die Zofe mit Fächer, Riechfläschchen und einer angesengten Feder.

Mr. Rothleigh, der starr und ratlos an Lady Armsworth’ linker Seite gesessen hatte, zog sich an den Kamin zurück. Fasziniert betrachtete er das aufgeregte Treiben um seine Cousine.

Lord Buckley bot ihm lakonisch eine Prise Schnupftabak aus seiner Dose an. »Ausgezeichnete Vorstellung, nicht wahr?«, sagte er. »Man wird im Drury Lane Theater nicht besser unterhalten«.

Mr. Rothleigh zog seine Hand von Lord Buckleys Schnupftabakdose zurück. »Sie vergessen, über wen Sie spotten! Lady Armsworth ist eine Verwandte von mir. Sie sollten ihr Respekt zollen.«

»Genau das habe ich gerade getan. Ich sah nie eine überzeugendere Darstellung weiblicher Empfindsamkeit.«

»Sie sind herzlos, Lord Buckley!«

»Nur gegenüber Blendern und Betrügern.«

Mr. Rothleigh schnappte nach Luft. »Ich versage mir eine Antwort auf Ihre Bemerkung. Ich kenne die Regeln des Anstands!« Er drehte sich auf dem Absatz um und ging zu Mr. Waverton hinüber. Dieser stand neben dem Beistelltisch und versuchte, mit seinem Fuß die Scherben zusammen­zuschieben.

»Um Himmels Willen, lassen Sie das, Waverton! Sie machen alles nur schlimmer. Sehen Sie nicht, dass Sie mitten in einer Sherry-Pfütze stehen?«

Mr. Waverton sah betroffen auf seine Füße. »Oh, in der Tat. Wie un­geschickt.«

»Sie werden für den Rest des Tages wie ein Weinfass riechen! Sehen Sie zu, dass Sie möglichst bald aus diesen Schuhen herauskommen.«

 

 

3. Dezember

Lady Linfield wandte sich dem Anwalt zu. »Das Testament beruht auf einem Irrtum, Mr. Nutford. Robert ist tot. Wer ist nun wirklich der Erbe?«

Lord Buckley gab seine träge Haltung am Kamin auf. »Erlauben Sie mir eine Korrektur, Verehrteste: Rothleigh ist lediglich verschollen.«

Ihre Ladyschaft lächelte verächtlich. »So wie Sie es formulieren, Lord Buckley, klingt es, als sei Robert nicht von einem Reitausflug zurückkehrt und könne jeden Moment durch diese Tür spazieren. Wie jedoch jeder in dieser Familie weiß, ist er bereits seit mehr als drei Jahren verschollen. Wir werden ihn für tot erklären lassen. Das hätte ohnehin längst geschehen müssen.«

»Es kann sehr wohl sein, dass Rothleigh noch lebt. Sie werden also vielmehr nach ihm suchen lassen müssen.«

»Mein lieber Lord Buckley, Sie mögen sich mit Pferden und modischem Schnickschnack auskennen, aber als Testamentsverwalter benötigt man andere Kenntnisse.«

Mr. Nutford hüstelte. »Mylady, ich bedaure, mich einmischen zu müssen. Nach Mr. Robert Rothleigh zu suchen, wäre nach geltendem Recht das Richtige. Ich verlese gern die entsprechende Stelle in –«

»Oh, ersparen Sie uns das! Roberts Geschick ist tragisch, aber daran zu rühren, macht es nicht besser! Wie viel Schmerz und Gram wird unserer Familie zugefügt werden, wenn Sie Hoffnungen wecken, die letztendlich niemals erfüllt werden können?«

»Ganz recht, sehr schmerzvolle Sache«, assistierte Mr. Waverton. »Ich versichere Ihnen, Lord Buckley, wir sprechen nie über Robert, so sehr schmerzt uns die Angelegenheit – will sagen: der Verlust.«

»Halten Sie den Mund«, zischte Mr. Rothleigh ihm zu.

 

4. Dezember

Der Anwalt deutete eine Verbeugung an. »Unsere Kanzlei verfügt über ausgezeichnete Kontakte zum Kriegsministerium. Es wird nicht schwer sein, Auskunft über den Verbleib von Mr. Robert Rothleigh zu erhalten.«

Lady Linfield nickte ihm wohlwollend zu. Man konnte sich darauf verlassen, dass Nutford wusste, wem er Loyalität schuldete.

»Nicht so schnell!«, sagte Lord Buckley. »Da Rothleigh nicht in der Armee war, wird das Kriegsministerium wahrscheinlich keine Informationen über ihn haben. Mr. Nutford, Sie werden Ihre Recherchen ausweiten. Nehmen Sie Rothleighs Spur in Österreich auf und finden Sie heraus, was damals geschah.«

Das Testament bebte in Mr. Nutfords Händen. Der Anwalt hatte das 55. Lebensjahr bereits überschritten und war überdies dem Reisen nie zugetan gewesen. Die Aussicht, den vom Krieg gebeutelten Kontinent zu betreten, weckte keinesfalls Abenteuerlust in ihm. Dankbar nahm er Lady Armsworth’ Protest wahr:

»Wie soll der arme Mann nach Österreich kommen? Wir haben Krieg, und es gibt überall Hafenblockaden.«

»Reisen in kleinem Rahmen sind durchaus möglich, besonders für Personen mit guten Kontakten zu den Ministerien«, entgegnete Lord Buckley. »Davon abgesehen kann der Krieg nicht ewig dauern. Wellington hat die Franzosen bei Salamanca geschlagen. Es geht voran.«

»Ich bin gewiss nicht unpatriotisch«, sagte Mr. Waverton, »aber bis Napoleon wirklich besiegt ist, wird noch viel Zeit vergehen.«

»Sehr richtig!«, fiel Lady Linfield ein. »Unser Schwiegersohn arbeitet für das Kriegsministerium und ist bestens informiert.«

Mr. Waverton, wenngleich hoch erfreut über Lady Linfields Anerkennung, fühlte sich verpflichtet, die Fakten in das richtige Licht zu rücken: »Nun, bestens informiert nicht gerade – vieles ist streng geheim, wenn Sie ver­stehen, und ich bin nicht einmal in der Position – außerdem würde ich selbstverständlich niemals die Indiskretion begehen –« Er verstummte unter einer herrischen Handbewegung Ihrer Ladyschaft.

 

5. Dezember

Einige Monate später ….

Lady Armsworth ahnte von diesen Querelen nichts, aber sie hätten sie auch nicht interessiert. Über den Verpflichtungen der Season – die für sie zugleich Vergnügungen waren – verging die Zeit schnell, und noch schneller waren das Testament und jener ermüdende Tag in Cavenham Hall in Ver­gessenheit geraten. Als ihr der Butler an einem milden Tag im März einen Brief von Lady Linfield brachte, öffnete sie diesen daher unbekümmert.

Die Lektüre der Nachricht bereitete Lady Armsworth’ heiterer Stim­mung ein jähes Ende. In wenigen, herrischen Sätzen informierte ihre Schwester sie über ihre geplante Ankunft in London. Horatia wurde ange­wiesen, am 16. März zu Hause zu sein, da Alvara im Laufe des Tages etwas Wichtiges mit ihr besprechen musste.

Lady Armsworth zerknüllte den Brief. Dass Alvara es wagte, in einem solchen Ton zu schreiben! Und diese Frechheit, sie warten zu lassen, bis es ihrer Schwester gefiel, zu erscheinen! Ganz so, als habe sie, Horatia, keine gesellschaftlichen Verpflichtungen. Alvara nahm sich entschieden zu wichtig!

Lady Armsworth erwog, umgehend für einige Tage nach Brighton zu reisen. Es geschähe Alvara recht, vor verschlossenen Türen zu stehen. Dann erinnerte sie sich jedoch daran, dass Brighton um diese Jahreszeit in den Händen gebrechlicher Kurgäste und alternder Witwen war. Noch schwerer wog der Ball von Lady Sefton, der just am Vorabend von Alvaras Besuch stattfinden würde. Sie konnte ihn unmöglich versäumen. Und so befand sie, dass letztlich nichts dabei war, ausnahmsweise einen Tag zu Hause zu verbringen. Sie würde es genießen, in Ruhe die neuesten Modekupfer zu studieren oder einen Gedichtband zu lesen. Lady Armsworth wies lediglich die Küche an, am 16. März streng einem Speiseplan zu folgen, den sie höchstpersönlich entwerfen und mit allen Zutaten spicken würde, die ihre Schwester nicht ausstehen konnte.

Trotz ihrer Pläne wurde Lady Armsworth am fraglichen Tag gleich nach dem Frühstück das Warten lang. Sie schickte das Hausmädchen, ihren Stickrahmen zu holen, stellte aber nach wenigen Minuten fest, dass sie sich nicht auf die Stiche konzentrieren konnte. Sie ließ den Butler kommen und inspizierte an seiner Seite mit wenig Interesse und noch weniger Sachverstand den Weinkeller. Die hauswirtschaftlichen Pflichten vermochten es nicht, Lady Armsworth’ Aufmerksamkeit für länger als eine halbe Stunde zu fesseln. Sie begab sich wieder in den Salon, blätterte in einem neu erschienenen Buch und befand es als unerträglich langweilig. Sie zog sich auf ihr Zimmer zurück und läutete nach ihrer Zofe. Als diese erschien, stand Ihre Ladyschaft vor dem geöffneten Kleiderschrank und hielt ein zart-violettes Abendkleid, das sie im letzten Sommer erstanden hatte, in den Händen.

»Flieder!«, sagte Lady Armsworth angewidert und reichte das Kleidungs­stück an ihre Zofe weiter. »Niemand trägt mehr diese Farbe!«

Ein Kleid nach dem anderen wurde aus dem Schrank gezehrt und abschätzig inspiziert. Die Zofe rang die Hände und versuchte, Lady Armsworth zu beruhigen. Aber erst, nachdem ein halbes Duzend Abendroben verbannt und eine Reihe Vormittagskleider zur Änderung aussortiert worden waren, besserte sich die Stimmung Ihrer Ladyschaft, denn nun war es un­erlässlich, gleich am nächsten Tag ihre Modistin aufzusuchen.

 

6. Dezember

Über dem gemeinsamen Studium des Lady‘s Magazine und den neuesten Anekdoten von Master Arthur verstrichen die Stunden leidlich angenehm. Lady Armsworth gelang daher beinahe ein Lächeln, als der Butler schließ­lich am späten Nachmittag ihre Schwester in den Grünen Salon führte.

»Oh, Alvara, da bist du ja schon – wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man sich in netter Gesellschaft befindet. Meine Liebe, sicherlich war die Reise anstrengend. Du siehst ganz erschöpft aus! Möchtest du dich zunächst etwas hinlegen?«

»Mir geht es ausgezeichnet«, versetzte Lady Linfield, während sie die Umarmung ihrer Schwester erwiderte. »Ich gehöre nicht zu diesen erbärm­lichen Kreaturen, die bei der kleinsten Anstrengung ihres Riechfläschchens bedürfen.«

Lady Armsworth überging diese Bemerkung. »Setz dich hier an den Kamin. Ich habe extra ein Feuer machen lassen. Es ist immer noch kalt draußen.«

»Dieser Raum ist viel zu warm. Musst du wirklich ein Vermögen für Feuerholz verschwenden, nur damit du in einem Kleid, das den halben Ober­körper entblößt, herumsitzen kannst?«

Dieser Vorwurf traf ins Leere. Lady Armsworth’ veilchenfarbenes Musselinkleid verfügte zwar über einen Ausschnitt, wie er nur von einer französischen Modistin entworfen werden konnte, entblößte jedoch nicht mehr, als schicklich war.

Neid, sagte sich Lady Armsworth, während ihre Hand unwillkürlich an ihrem Häubchen zupfte, unter dem ihre dunkle Lockenpracht hervorquoll und dessen Schleife in einem kessen Winkel geknüpft war. Sie wirkte eben immer noch jugendlich, obwohl sie die ältere Schwester war.

 

7. Dezember

Lady Linfield ließ sich mit einem Seufzer auf einem Stuhl nieder. »Ich habe Nachrichten von Mr. Nutford!«

»Mr. – wer?«, fragte Lady Armsworth.

»Unser Anwalt, um Himmels Willen! Er war auf dem Kontinent, um Robert zu finden.«

»Oh ja, richtig. Hat er Roberts Grab ausfindig gemacht? Meine Liebe, das ist traurig, sicher, aber wir dachten ja schon immer –«

Ihre Schwester zog mit einem Griff einen Brief aus ihrem Retikül. »Robert lebt!«

Lady Armsworth’ Hand entglitt der Fächer.

Margaret atmete hörbar ein.

»Robert lebt, und er wird zurückkommen, Horatia. Er ist nun der 5. Baron Cavenham und damit unser Familienoberhaupt. Wenn ich daran denke, dass dieser abscheuliche Lord Buckley Recht behalten hat! Er besaß die Frechheit, mich aufzusuchen, kaum dass er Nutfords Nachricht erhalten hatte, und gratulierte mir scheinheilig zu dem glücklichen Ereignis. Ich hätte ihn ohrfeigen können!«

Lady Armsworth erhob sich und ging mit schnellen, kleinen Schritten zum Kamin. Wie haltsuchend griff sie nach einer Schäferinnen-Figurine auf dem Sims. »Das darf nicht sein! Wenn ich daran denke, wie viel Schande er über die Familie gebracht hat!«

»Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen. Robert ist all die Jahre auf dem Kontinent herumgereist. Nutford fand ihn in einem Nest in Frankreich.«

»Aber dann kann der kleine Arthur nicht Baron werden!«, entfuhr es Lady Armsworth. Sie sah zu Margaret hinüber, deren Wangen an Farbe verloren hatten. »Wie kann Robert uns nur so etwas antun?«

»Sei keine solche Gans! Ich gebe zu, dass mir Waverton mit seiner ruhigen Art als Familienoberhaupt lieber wäre als Robert, aber letztendlich ist es besser, wenn der Titel bei den Rothleighs verbleibt.«

»Aber was werden die Leute sagen, wenn ausgerechnet Robert Baron Cavenham wird? Denkt nur an diese Skandale, die es seinetwegen gab«, sagte Margaret. »Ob man uns die kalte Schulter zeigen wird?«

 

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